„Ausweg gesucht“ 2016 endet mit furioser Preisverleihung

Wir bedanken uns bei allen 55 Filmteams für die großartigen Einreichungen. Mit einer solchen Vielfalt und Qualität, sowohl im Rahmen von Schulprojekten entstanden oder autonom von jungen Filmemacher*innen produziert,haben wir nicht gerechnet. Wir sind begeistert von den unzähligen Einreichungen, bei denen man durchweg die Leidenschaft und das Engagement für den Film und das Thema spürt!
Mit einer ausverkauften und bunten Preisverleihung geht „Ausweg gesucht“ für dieses Jahr zu Ende. Aber auch 2017 wird es den Filmwettbewerb wieder geben. Ihr dürft schon gespannt sein, was wir uns für das nächste Jahr für euch einfallen lassen – wir hingegen freuen uns schon jetzt auf neue, spannende Beiträge.

Glückwunsch allen Preisträgern und einen herzlichen Dank an alle, die diesen Wettbewerb möglich machen!

Euer „Ausweg gesucht“-Team

Die Gewinner 2016

Kategorie 18-25

Platz 1: Beating Darkness
Platz 2: Handysucht
Platz 3: Die kleine Ballerina
Platz 4: Verleugnung
Platz 5: Atemzug

Kategorie 15-17

Platz 1: Nach dem Regen
Platz 2: Anders
Platz 3: Der Weg in die Musik
Platz 4: The inner prison
Platz 5: Gefangen

Sonderpreise

Sonderpreis der bremischen Landesmedienanstalt:
Path of the Hare
Sonderpreis von Radio BremenNEXT:
Über Kopf
Sonderpreis vom Förderverein Medienpädagogik:
Nur noch heute

Das war Ausweg Gesucht 2016

Eine super Preisverleihung liegt hinter uns. 450 Gäste, darunter natürlich auch die überglücklichen Preisträger, haben am Samstag das Cinespace in der Waterfront Bremen gerockt. Bremens Tatort Kommissar Oliver Mommsen und June Koch von RadioBremenNEXT haben das Publikum mit Witz und Musik durch den Nachmittag geführt. Das Ausweg-gesucht-Team möchte sich an dieser Stelle nochmal bei allen die das möglich gemacht haben und natürlich bei den vielen kreativen Teilnehmer*innen bedanken.

Fotos: Marcus Windus

Gewinner Kategorie 18-25

Platz 1: Beating Darkness

von Luis Seemann

Der Film zeigt, dass es nicht immer um die richtige Entscheidung oder die richtigen Freunde geht, wenn wir davon sprechen, Auswege zu suchen. Beating Darkness thematisiert ein anderes Problem: Dass manche Dinge unumkehrbar sind. Dass es Menschen gibt, die schuldlos mit Situationen konfrontiert werden, die sich tief in sie eingraben und sie lange begleiten.
Der erste Platz bei den 18-25jährigen macht klar: Vor so etwas gibt es keine Flucht. Wer das Opfer eines Übergriffes geworden ist, dessen Leben ist davon gekennzeichnet, in jeder Minute erinnert werden zu können, was ihm passiert ist. Alltag sieht für diese Menschen anders aus als für diejenigen ohne derartige Erlebnisse. Davor nicht einzuknicken, zu lernen, sich zu wehren und das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen, um selbstbestimmt leben zu können, das zeigt uns dieser Film auf einem technisch und schauspielerisch überragendem Niveau. Den Mut, sich dieses in der Gesellschaft noch stark tabuisierten Themas anzunehmen, erkennt die Jury an mit dem ersten Platz.

Platz 2: Handysucht

von Till Schulz

„Ausweggesucht“ hat uns eine riesige Bandbreite an unterschiedlichsten Filmkonzepten gebracht, die zeigen, was junge Menschen heutzutage bewegt, bedrängt und umtreibt. Eine eher ungewöhnliche Weise, mit Film zu arbeiten, zeigt uns der nächste Beitrag, der die Jury genau deshalb in seinen Bann gezogen hat.
Dass das Leben schneller geworden ist, das Tempo sich ständig erhöht und wir umgeben sind von Technik, das ist ein Gefühl, das jeder kennt. Der folgende Film erzählt das Phänomen der Schnelllebigkeit auf besondere Art: Die filmische Umsetzung von Eile und Verzögerung bezeichnet die Jury als „herausragend und hochaktuell“. Der Zuschauer erkennt sich dabei wieder, fühlt sich ertappt.

Platz 3: Die kleine Ballerina

von Jona Drewes und Lara Wehemann

Was kann helfen, wenn es darum geht, einen Ausweg zu finden? Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist? In einem Film wurde schon gezeigt, dass jeder seine eigene Entscheidung treffen muss, welche Richtung sein Leben nehmen soll.
Dieser Beitrag aus Niedersachsen zeigt: Trotzdem sich in eurem Alter alles im Leben zu ändern scheint, man sogar manchmal am Boden liegt, weil man nicht mehr mitkommt: Jeder Mensch hat einen Traum, und es ist absolut vernünftig, daran festzuhalten.
Uns als Jury hat der Film begeistert, weil er das Element der Motivation als Präventionsinstrument in den Fokus rückt. Zudem bietet er einen filmästhetischen Ausweg an einem Punkt, an dem die Handlung kaum mehr zu ertragen ist. Eine großartige Symbiose aus Story und Film.

Platz 4: Verleugnung

von Philip Pausch

Das für alle am Leben Suchtkranker schwer verständlichste Symptom ist die Verleugnung der Krankheit. Dabei können die anderen Symptome wie Kontrollverlust, finanzielle Belastungen, körperliche Leiden oder Veränderung des Sozialverhaltens offensichtlich sein. Man sagt, mit der Einsicht, Suchtkrank zu sein, ist der erste, aber auch wichtigste Schritt der Gesundung gemacht. Aber es ist auch der Schwerste.

Der Film zeigt außerordentlich gut arrangiert die Facetten von verschiedenen Suchtpersönlichkeiten, die mit der Frage, „Was ist für Dich Sucht“ konfrontiert auf einen Helfer/Therapeuten treffen. Ablehnung und Aggression treten im gleichen Maße auf wie Verharmlosung und der Versuch, den Helfer für seine Zwecke einzubinden. Der Film ist vom schauspielerischen Anspruch, dem Verständnis von Suchterscheinungsformen wie von der Botschaft her, Sucht als Krankheit zu verstehen und sie sich einzugestehen, eine gelungene Performance, um die Vielschichtigkeit dieser Erkrankung zu demonstrieren.

Platz 5: Atemzug

von Jannik Weinholtz

Der Wettbewerb „Ausweggesucht“ hat sich zur Aufgabe gemacht, die Befindlichkeiten von jungen Menschen aufzuspüren und ihnen Raum für ihre Sichtweise zu geben. In „Atemzug“ wird kein direktes Suchtthema aufgegriffen, es geht um Balance im Leben. In traumhaften Bildern wird das Leben zwischen Härten und Resignation dargestellt. Der Tanz stellt eine harte Herausforderung dar, das Training führt den Körper an die Grenzen und weckt die Sehnsucht, abzutauchen. Wie wunderschön rahmt die Botschaft des Films die Begegnung mit der Freundin und ihr wilder Tanz ohne Regeln. Ein Plädoyer gegen die Zwänge, Auflagen und den Druck junger Menschen für die Chance, ihr Leben frei zu führen.

Gedanken verwehen schnell im Wind – Einfach ankommen und dann bleiben

Gewinner Kategorie 15-17

Platz 1: Nach dem Regen

von: Devon Drzimalla

Gibt es einen point of no return? Kann man Dinge, die schief gelaufen sind, noch einmal drehen? Eins ist sicher: Je später man es versucht, desto schwieriger wird es.
Der erste Platz in der Kategorie der 15-17jährigen macht Mut, den ersten Schritt zu tun. Er macht aber auch schonungslos klar, dass dieser Schritt nicht einfach ist und dass hinter jedem Schicksal eine Geschichte steht. Dass man über Menschen vielleicht anders urteilt, wenn man ihnen zuhört. Nicht nur die von der Jury als sehr authentisch bewertete Handlung an sich, sondern deren dramaturgische Umsetzung, das überragende Zusammenspiel von Bildgewalt und Text sowie die schauspielerische Leistung nehmen den Zuschauer sofort mit auf die Reise des jungen Protagonisten und lassen ihn gedanklich nicht gehen, bevor es vorbei ist.

Platz 2: Anders

von: Marie Engert

Das sagt sich so leicht: Jeder muss für sich selbst die Entscheidung treffen, mit oder ohne Drogen zu leben. „Anders“ will zeigen, was euch in eurem Alter bewegt und welche Entscheidungen ihr treffen müsst. Es muss immer die richtige sein und es geht immer um alles: die richtige Entscheidung für die Gesundheit, den Beruf, die Freunde oder den Partner/die Partnerin – fürs ganze Leben.
Man kann daran verzweifeln. Dieser Beitrag aus Niedersachsen zeigt nicht nur nachvollziehbar, wie bedrückend das ist. Er zeigt auch einen Ausweg, der uns als Jury insbesondere durch sein textgewaltiges Plädoyer FÜR die Individualität überzeugt hat – und dies auf eine stilistisch besondere Art und Weise.

Platz 3: Der Weg in die Musik

von: Max Schlemminger

Dass der Weg in die Sucht schneller ist als aus der Sucht raus, weiß man ja. Auf beiden Strecken begleiten uns Freunde. Die einen können einen ´reinreißen`, die anderen wieder heraushelfen. Letzen Endes muss aber jeder für sich allein entscheiden, mit oder ohne die Sucht leben zu wollen.
Wie man Schritt für Schritt in die Abhängigkeit geraten kann, besonders, wenn es zu Hause auch noch Stress gibt, und wie man da wieder herauskommt, zeigt der folgende Beitrag aus Bremen.
Insbesondere der kompetente Umgang mit den filmischen Elementen sowie die Fähigkeit, den klassischen Weg in eine Sucht und auch wieder aus ihr heraus in 5 Minuten so bildgewaltig zu erzählen, hat uns als Jury beeindruckt.

Platz 4: The inner prison

von: Reuben Schwinge

Vielen ist nur das Außenleben von Suchterkrankten bekannt. Eine oft unverständliche Aneinanderreihung von Verhalten, das schwer ist, einzuordnen. Selbst- und Fremdgefährdung, Rückfälle und Verwahrlosung wird als Problem wahrgenommen und man denkt: „Wieso ändern die das nicht?“.

Sucht wirkt aber von Innen. Die Unfähigkeit, den Verlauf der Selbstzerstörung aufzuhalten, die Gefangenschaft in einem immer enger werdenden System von Grenzen und die Ausweglosigkeit zeigt der Beitrag „The Inner Prison“. Er vermittelt nicht nur in Bildern die bedrängende Enge eines Suchtzustands, die Monotonie der alltäglichen Abläufe und ihre Trostlosigkeit. Über den Ton werden diese unangenehmen Zustände noch tiefer empfunden und nachhaltig vermittelt.

Zitat: Sucht ist wie ein inneres Gefängnis, aus dem es nicht so leicht ist, auszubrechen.

Platz 5: Gefangen

von: Sina Monpetain

Magersucht gehört zu den schwierigsten Erkrankungen im Suchtbereich. Nahrung ist alltäglich und lebensnotwendig, eine Behandlung muss den Auslöser der Störung in das Leben der Betroffenen neu integrieren.

Die Zerrissenheit eines solchen Lebens zwischen Notwendigkeit des Essens, des Abzählens von Kalorien, den langen Phasen schierer Verzweiflung und dem Funktionieren im Alltag zeigt der Film „Gefangen“. Der Mut der Schauspielerin, in einem kerkerähnlichen Raum mit sich zu ringen und zu flehen, aufzubegehren und zu resignieren, zeichnet den Leidensdruck der von Magersucht betroffenen Menschen nach und macht betroffen.

Der Film zeigt aber auch, dass nicht Betroffenheit den so in Not geratenen Menschen hilft. Freunde stehen zur Seite, begleiten aus dem Kerker heraus, unterstützen. Sie zeigen eine Alternative auf und durchbrechen die Isolation, in die Magersucht führen kann.

Schlüsselszene: Abwiegen des Obstes bis 99gr.

Sonderpreise

Sonderpreis der bremischen Landesmedienanstalt „Path of hare“

von: Ali Bergen

Der Sonderpreis der Bremischen Landesmedienanstalt geht in diesem Jahr an einen ganz besonderen Film. Mit „Path of the hare“ hat das Team um Ali Bergen einen wirklich beeindruckenden, wenn auch nicht ganz einfachen Film über das schwierige Leben einer Schülerin geschaffen. Die Geschichte geht nahe. Sie erschließt sich nicht auf den ersten Blick, auf den zweiten dafür aber umso nachhaltiger. Das Schicksal der Protagonistin, das mit hohem Symbolwert und einem kleinen Hasen in Szene gesetzt wurde, macht traurig und bewegt sehr. Dem Ende haftet etwas Traumhaftes, Irreales an. Selbstverletzung – als Sucht und als Selbsttherapie – ist unter Jugendlichen ein sehr bedeutendes und ernstes Thema. Insofern kann ein Film mit einem solchen Thema auch nicht leicht sein, er muss Schockmomente besitzen, er muss bewegen! Dass der Film trotz der Überspitzung funktioniert, verdankt er nicht zuletzt seiner starken und markanten Hauptdarstellerin. Ein relevanter, wuchtiger und bewegender Film über Schuld, Isolation, Verzweiflung und Ausweglosigkeit – kurzum ein Film, der bleibt.

Sonderpreis von Radio BremenNEXT „Über Kopf“

von: Omid Mohadjeri

Dieser Film sieht einfach gut aus. Die Farben, die Kameraführung, das Zusammenspiel mit der Musik: „Über Kopf“ spielt hier auf höchstem Niveau. Auch inhaltlich macht der Film einen wichtigen Punkt: Dem Ausweg aus der Sucht muss eine Entscheidung vorausgehen, den gegenwärtigen Zustand verändern zu wollen. Zu elegischen Bildern tanzt die charismatische Protagonistin durch reale und traumhafte Szenen und reflektiert über die Überlastung durch Arbeit und Stress. Die Begriffe „Sucht“ und „Krise“ werden hier eher gestreift. Bei der Wucht und Schönheit der Bilder hat es der Text aus dem Off schwer mitzuhalten. Gerade deshalb aber ist „Über Kopf“ der perfekte Gewinner für den Sonderpreis von Bremen NEXT. Regisseur Omid Mohadjeri darf dabei sein beim ersten Creator Space für junge Videokünstlerinnen und Videokünstlern in Bremen am 29. und 30. Oktober und kann dort seine Skills verfeinern. Der nächste Schritt für einen Filmemacher mit großem Potential.

Sonderpreis vom Förderverein Medienpädagogik „Nur noch heute“

von: Ronja Jürgens

„Nur noch heute“ hat den Sonderpreis der Medienpädagogik gewonnen. Im szenischen Spiel zeigen die Schauspielerinnen die Abwärtsspirale, in die das Leben junger Menschen durch Alkohol geraten kann. Erst der gemeinsame Spaß mit Alkohol, dann die erste Abgrenzung durch fehlende Abstinenz, die Veränderung des Freizeitverhaltens, anschließend der Verlust der Freunde und der Zusammenbruch. So komprimiert es auch im Film dargestellt ist, so real ist die Entwicklung. Und keins der Zeichen wird bis zum Zusammenbruch ernst genommen.

Wie wichtig es ist, bei ungebremstem Konsum von Suchtmitteln gegenüber Freunden auch sagen zu müssen, dass man sie nicht weiter trägt, so wichtig ist es auch, für sie wieder da zu sein, wenn sie eine Veränderung wünschen. Ein wunderschön gespielter Verlauf von Absturz und Ausweg, Entfremdung und Versöhnung.

Zitat: Lass mich, ist doch mein Ding.